Produkte für PKW / Van / 4x4

„Wir bekommen das unmittelbare Feedback der Fahrer direkt nach den Rennen“

 

  • Neue Extreme E Rennserie auf dem Weg zum Arctic X Prix
  • Team von Continental begleitet alle Rennen rund um die Welt
  • Interview mit Catarina I. Matos Silva, Leiterin Produktmanagement Continental

Continental ist Gründungspartner und Premiumsponsor der Extreme-E-Rennserie. Das Technologieunternehmen aus Hannover stattet alle Fahrzeuge der Serie mit Reifen für die unterschiedlichen und sehr anspruchsvollen Einsätze aus.

Im Interview spricht Catarina I. Matos Silva über die besonderen Herausforderungen, denen die Reifen in dieser Offroad-Rennserie ausgesetzt sind, ihre Aufgaben im Produktmanagement und portugiesische Leidenschaft, die ihr geholfen hat, im Unternehmen voran zu kommen.

Catarina I. Matos Silva, Team Lead Product Management Summer, 4x4 und Van Products bei Continental Tires EMEA

Catarina, was Ihre Aufgabe bei Continental Tires?

Catarina Silva: Ich leite das Produktmanagement-Team, das für unsere Sommer-, Offroad- bzw. 4x4 und Van-Produkte für Europa, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich ist. Wir stehen in engem Kontakt mit den Produktionseinheiten und der Entwicklungsabteilung auf der einen sowie den Marketing- und Vertriebs-Organisationen der europäischen Märkte auf der anderen Seite. Wir bekommen das Feedback zu unseren Produkten von allen relevanten Seiten und sind dadurch ein wichtiges Bindeglied in der internen Kommunikation. Es wird nie langweilig und man weiß nie, was einen in der nächsten Woche erwartet.

Und wie sind Sie in dieser Funktion ein Teil des Projekts Extreme E bei Continental geworden?

Catarina: Eigentlich ist Extreme E zu mir gekommen. Denn im vergangenen Jahr hat man mir zusätzlich das technische Support-Team für die Reifengruppe Offroad anvertraut. Damit verbunden ist die Koordinierung diverser Projekte – unter anderem aus den Bereichen Reifenentwicklung, Service sowie verschiedener integrierter Technologien. Und dazu zählen unter anderem auch die Nachhaltigkeitsaktivitäten von Continental Tires, einschließlich dem zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschrittenen Engagement von uns in der Extreme E Rennserie.

Und sind Sie auch bei den Rennwochenenden vor Ort dabei?

Catarina: Ja! Das ist ziemlich großartig, nicht wahr? Aber auch unvermeidbar. Schließlich sind wir die Reifen-Spezialisten. Wir haben mit dem CrossContact Extreme E einen Reifen entwickelt, mit dem alle Teams auf der Strecke unterwegs sind. Also wissen wir auch am besten, worauf es ankommt. Aus Gründen der Nachhaltigkeit sind wir mit einem sehr kleinen Serviceteam vor Ort und Ansprechpartner für alle neun Teams in allen Fragen rund um die Reifen. Und wir bekommen das unmittelbare Feedback der Fahrer direkt nach den Rennen. Das ist enorm wichtig für uns, um die Qualität unserer Entwicklung korrekt einzuordnen und gegebenenfalls Verbesserungspotenziale und Weiterentwicklungen zu erschließen. Die Veranstaltungen finden ja größtenteils in Regionen statt, in denen noch nie zuvor ein Motorsport-Rennen gefahren wurde. Entsprechend gab es dort auch keine Reifentests im Rahmen der Entwicklungsphase. Jedes der fünf Rennen ist für uns deshalb extrem spannend – ganz unabhängig vom eigentlichen Wettbewerbsgeschehen und Rennausgang.

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Catarina I. Matos Silva, Team Lead Product Management Summer, 4x4 und Van Products bei Continental Tires EMEA

Was macht die Reifenentwicklung für diesen Wettbewerb so besonders?

Catarina: Der ODYSSEY 21, mit dem alle Teams an den Start gehen, ist ein wahres „Elektro-Monster“ – entwickelt für extreme Beschleunigungen und extreme Geschwindigkeiten in extremer Umgebung. Der E-Antrieb stellt die komplette Kraft der rund 550 PS nahezu verzugslos zur Verfügung. Und als wäre das nicht genug, gibt es Rennsituationen, in denen die Fahrer einen zusätzlichen Geschwindigkeitsbonus, den sogenannten „HyperDrive“, aktivieren können. Es gibt absolut nichts Vergleichbares. Und diese unglaubliche Power muss eben auch eins zu eins auf die Strecke übertragen werden – beim Beschleunigen, beim Überholen, in Kurven und nicht zuletzt beim Bremsen. Das sind keine Hochgeschwindigkeitsovale oder Kurse auf genormten Asphalt. Das ist „off the Road“ mit all seinen Unwägbarkeiten und Tücken. Beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien haben wir spektakuläre Sprünge über viele Meter gesehen. Und leider auch einige ebenso spektakuläre Crashs, bei denen – Gott sei Dank – niemand schwerer verletzt wurde. Wer das aus der Nähe miterlebt, weiß, dass die Fahrerinnen und Fahrer wirklich alles daran setzen, Fahrzeug und Reifen von der ersten Sekunde an am absoluten Limit zu bewegen. Die Kräfte, die in den einzelnen Phasen der Rennen auf die Reifen wirken, sind wirklich außergewöhnlich.

Hinzu kommt, dass der Continental CrossContact Extreme E in fünf verschiedenen Regionen der Erde funktionieren muss. Das sind fünf komplett verschiedene Klimazonen mit Streckenführungen und Untergründen, die sich maximal voneinander unterscheiden. Mein Kollege Anuj Jain, der die Entwicklung des Reifens so großartig geleitet hat, hat in einem Interview gesagt, dass die Extreme E die mit Abstand größte Herausforderung ist, der sich Reifen im Motorsport jemals stellen mussten. Und ich bin zu einhundert Prozent davon überzeugt, dass er Recht hat. Ich war live dabei. Ich habe es gesehen. Und ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Rennen, wenn es in Grönland weitergeht.

Können Sie bitte noch etwas mehr über Ihre Berührungspunkte mit den Nachhaltigkeitsaktivitäten von Continental erzählen?

Catarina: Da mein Team und ich für die Produktentwicklung verantwortlich sind – die Produkt-Roadmap sowie die Portfolio-Planung – und das Unternehmen sehr klare und ehrgeizige Ziele in Bezug auf Nachhaltigkeit definiert hat, stellen wir eine entsprechende Roadmap bereit, um dies zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Begriff, sie ist äußerst wichtig für die gesamte Organisation und für unser eigenes Wohlbefinden. Wir arbeiten beispielsweise permanent mit der Forschung & Entwicklung und der Materialentwicklung zusammen, definieren neue Ansätze und Möglichkeiten und arbeiten immer an der Verbesserung unserer Recyclinglösungen.

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Was hat Sie motiviert, Ihre beruflichen Herausforderungen ausgerechnet in der Reifenbranche zu suchen?

Catarina: In meiner Anfangszeit hätte ich vermutlich gesagt, dass es einfach Zufall war. Heute sage ich: das war pures Glück. Ich habe in Portugal Bergbau und Umweltingenieurwesen studiert. Vor ungefähr 15 Jahren erfuhr ich vom „Research and Development Trainee Pool“ bei Continental in Hannover und entschied, mich zu bewerben, ohne wirklich sicher zu sein, auf was ich mich eigentlich einlassen würde. In Hannover traf ich internationale Teams mit Entwicklern und Ingenieuren, die sich für ihre Arbeit und das Produkt begeisterten. Alle waren sofort bereit, ihre Projekte und Erkenntnisse zu teilen, an denen sie arbeiteten. Und sie waren aufrichtig interessiert an meiner Meinung. Sie lebten schon damals diese besondere, auf Austausch und Kommunikation angelegte Unternehmenskultur, in der jeder wichtig war. Ich wusste sofort, dass ich in diesen Teams mitarbeiten wollte.

Es hat Sie nicht zurückgehalten, dass die Branche damals von Männern dominiert war?

Catarina: Nicht eine Sekunde. Ich glaube, ich bin in diesem Unternehmen sehr privilegiert, da wir große Anstrengungen unternommen haben, um Anreize zu schaffen und ehrgeizigen weiblichen Talenten zu zeigen, dass sie bei Continental Karriere machen können, wenn sie wollen. Das macht es natürlich nicht zu einem Selbstläufer. Aber ich habe mich immer gleichbehandelt gefühlt und hatte immer die gleichen Chancen, wie meine männlichen Kollegen. Ich bin weiblich, portugiesisch, sehr leidenschaftlich und ich zögere nicht zu sagen, was ich denke.

Was kann getan werden, um noch mehr Frauen zu ermutigen, in die Reifen-Branche einzusteigen?

Catarina: Continental engagiert sich sehr dafür, weil wir glauben, dass Vielfalt uns immer voranbringen wird. Das Kundenspektrum hat sich diversifiziert, es sind schon lange nicht mehr nur die 50-jährigen Männer bzw. Familienväter, die Reifen für das Familienauto kaufen.

Wir haben auch viele Aktivitäten, Kampagnen und Förderprogramme, die es Frauen ermöglichen, weiter voran zu kommen oder in ihrem Job zu bleiben, insbesondere wenn sie eine Familie haben. Es liegt auch in unserer Verantwortung, junge Frauen zu erreichen, die – wie ich vor 15 Jahren – noch nicht wissen, wie viel Spaß es machen kann, hier zu arbeiten. Dafür haben wir proaktive Initiativen an Universitäten. Wenn eine Frau neugierig ist und Herausforderungen mag, ist dies eine großartige Branche.