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Interview mit Alejandro Agag, CEO Extreme E

24/09/2020

  • Neue Rennserie generiert mehr Aufmerksamkeit für den Planeten
  • Alle Rennen werden weltweit online und im TV live übertragen
  • "Continental verfügt über großartige Technologien"

​Continental ist Gründungspartner und ab 2021 Premiumsponsor der Extreme-E-Rennserie. Das Technologieunternehmen wird alle Fahrzeuge der Rennen mit Reifen für die unterschiedlichen und sehr anspruchsvollen Einsätze ausstatten. Im Interview erklärt Alejandro Agag, CEO von Extreme E und Formel E, die besondere Faszination des neuen Formats. Er spricht über die Anfänge und den gesellschaftlichen Anspruch der innovativen E-SUV-Serie aber auch über die Partnerschaft mit Continental und den außerordentlichen Stellenwert der Reifen.

Alejandro Agag, CEO von Extreme E und Formula E.
© Extreme E

Continental: Herr Agag, Sie sind seit vielen Jahren eine feste Management-Größe im Motorsport und waren in der Vergangenheit unter anderem in der Formel 1 und der Formel E engagiert, ohne selbst je als Fahrer aktiv gewesen zu sein. Wie sind Sie zum Rennzirkus gekommen und warum sind Sie immer noch dabei?

Alejandro Agag: Das ist richtig. Ich komme tatsächlich aus einer ganz anderen Welt, aus der Politik und später aus der Geschäftswelt. Zum Motorsport kam ich praktisch durch Zufall. Ich hatte zwei Freunde im Rennzirkus, die ich seit vielen Jahren kannte − Flavio Briatore und Bernie Ecclestone. Sie animierten mich dazu, mich einmal in ihrem Umfeld umzusehen. So begann ich mit der Vermarktung von TV-Rechten in Spanien für die Formel 1 mit Fernando Alonso. Im Bereich des spanischen Motorsports kam das damals einer Revolution gleich. Im Laufe der Zeit wurde der Motorsport zu meiner Leidenschaft. Schließlich gründete ich ein GT2-Team und machte dann immer weiter und weiter. Ich denke, dass ich mit dem, was ich jetzt tue, meine eigentliche Bestimmung gefunden habe.

Continental: Sie sind Gründer und CEO der neuen Rennserie „Extreme E“. Damit wollen Sie den Motorsport nutzen, um die Aufmerksamkeit von Menschen und Regierungen weltweit auf bedrohte Biotope und den Klimawandel zu lenken. Wie soll das gelingen?

Alejandro Agag: Extreme E hat sich ein wirklich ambitioniertes Ziel gesetzt: mehr Aufmerksamkeit auf die Bedrohung unseres Planeten zu lenken. Wir wollen die Alarmglocken schrillen lassen, indem wir Rennen mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen in Regionen veranstalten, die akut gefährdet oder sogar bereits stark beschädigt sind. So wollen wir den Schaden aufzeigen, der dort schon angerichtet wurde und bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Ernsthafte Gegenmaßnahmen können wir erst dann in die Wege leiten, wenn es ein Bewusstsein dafür gibt, was sich dort wirklich abspielt. Der erste Schritt besteht darin, dieses Bewusstsein zu erzeugen – und genau diesen Zweck verfolgt Extreme E. Wir wollen aber noch einen Schritt weitergehen und selbst aktiv werden, wenn auch mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln. Damit zeigen wir: jede Initiative zählt, und wir werden konkrete Schritte unternehmen, um etwas gegen die Auswirkungen des Klimawandels an all diesen Orten zu unternehmen. 

Continental: Wenn wir den gesellschaftlichen Anspruch für einen Moment ausklammern: Wie werden sich die Wettbewerbe der neuen Rennserie von herkömmlichen Motorsportveranstaltungen unterscheiden?

Alejandro Agag: Ich glaube, dass wir mit Extreme E etwas völlig Neues geschaffen haben. Das beginnt damit, dass Frauen und Männer gemeinsam als Teams kämpfen, was es in unserem Sport bislang noch nicht gegeben hat. Die Fahrzeuge werden von elektrischen Hochleistungstriebwerken beschleunigt und müssen sich off-road bewähren – auch das ist ein Novum. Dieses Format wird zahlreiche Denkanstöße liefern, eine echte Revolution in der Welt des Off-road-Rennsports.

Continental: Das Konzept sieht vor, dass alle Teams mit den gleichen Fahrzeugen am Start sind. Die Autos wurden eigens für diese Rennserie entwickelt. Testpiloten wie Mikaela Åhlin-Kottulinsky, die für den Reifenausrüster Continental testet, sind begeistert. Was macht diese Fahrzeuge so besonders?

Alejandro Agag: Unsere Autos sind für extreme Leistung ausgelegt, echte Kraftpakete im Verhältnis zu ihrem Gewicht. Ein normaler Wagen für die Rallye Dakar zum Beispiel wiegt über zwei Tonnen und hat vielleicht 300 PS. Wir hingegen reden von der doppelten Leistung bei weniger Gewicht, gerade mal 1,6 Tonnen. Da kann man sich vorstellen, zu welcher Beschleunigung und Performance insgesamt diese Fahrzeuge fähig sind. Sie werden exemplarisch zeigen, wozu elektrische Antriebstechnik in jeder Art von Umgebung in der Lage ist.

Alejandro Agag, CEO von Extreme E und Formula E.
© Extreme E

Die RMS St. Helena, ein ehemaliges Postschiff, auf dem die Fahrzeuge der Extreme E transportiert werden.
© Extreme E

Continental: Die Entwicklung der Fahrzeuge, die Entwicklung der Reifen, die Logistik, die Gewinnung von Sponsoren, all das benötigt viel Zeit. Wann und wie haben die Planungen für die „Extreme E“ begonnen und wann verließen die Gedankenspiele den Bereich des Abstrakten?

Alejandro Agag: Unsere ersten Pläne für Extreme E datieren drei Jahre zurück. Neben meinem Engagement in der Formel E war ich auf der Suche nach einem Konzept, das näher am Straßenauto angesiedelt war und – noch wichtiger − auch etwas gegen den Klimawandel tun könnte. Zusammen mit meinem Freund Gil de Ferran, einem früheren Indianapolis-Sieger, kam ich auf die Idee, die Rennen an extremen Orten stattfinden zu lassen – das geniale Prinzip hinter Extreme E. Wenn ich ehrlich bin, kam der Einfall von Gil, nicht von mir.

Gesagt, getan: Wir krempelten die Ärmel hoch und kauften als Erstes die RMS St. Helena, da wir ein ganz besonderes Schiff für unser Projekt benötigten – ein schwimmendes Fahrerlager, das alle Beteiligten, die Fahrzeuge und das gesamte Material an die jeweiligen Austragungsorte bringt. Auch dies geschah vor drei Jahren. Dann machten wir uns daran, die Einzelheiten unserer Meisterschaft auszuarbeiten. Seit zwei Jahren geben wir richtig Gas, und jetzt trennen uns nur noch wenige Monate vom ersten Rennen. 

ABT Sportsline und CUPRA gehen in in 2021 bei der Extreme E an den Start.
© Extreme E

Continental: Wie schwierig war es, Sponsoren und potenzielle Fahrer für die Idee zu begeistern?

Alejandro Agag: Wenn ein Projekt so revolutionär ist, dass man dafür keinerlei Vergleichswerte präsentieren und auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen kann, ist es normalerweise eine Herkulesaufgabe. Aber wir haben ein sehr spannendes Projekt, das wie kaum ein zweites in unsere Zeit und zu unserer Gesellschaft passt, so dass die Akzeptanz selbst auf Seiten von skeptischen Gesprächspartnern von Anfang an hoch war. Andere waren sogar spontan vollkommen begeistert. Und je weiter wir rumkamen, desto öfter rannten wir offene Türen ein. Das war nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass wir schon sehr früh einen international so renommierten Partner wie Continental an unserer Seite hatten, ebenso wie CBMM und Luisaviaroma. Wir führen noch viele Gespräche und werden in Kürze weitere Partner bekannt geben. 

Continental: Continental ist exklusiver Reifenlieferant für die gesamte Serie. Das scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt zwingend, weil die Hannoveraner in den vergangenen Jahren im Motorsport nicht in Erscheinung getreten sind, obwohl sie die Kompetenz dazu unzweifelhaft besäßen. Warum ist Continental der ideale Partner für die „Extreme E“ Serie und wie haben Sie die Verantwortlichen überzeugen können?

Alejandro Agag: Vielleicht konnten wir sie überzeugen, weil wir von ihnen überzeugt waren. Wir sind sehr dankbar für das Engagement von Continental. Nicht nur, weil sich das Unternehmen uns schon sehr früh als Gründungspartner angeschlossen hat. Sondern auch, weil wir dieselbe Sicht auf die Welt haben und auf das, was in diesem Augenblick mit dem Planeten geschieht. Und wir sind uns einig darüber, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten Verantwortung übernehmen muss, um die anstehenden Herausforderungen für mehr Nachhaltigkeit und zum Schutz unserer Umwelt am Ende gemeinsam zu bestehen. Das stete Streben nach immer mehr Nachhaltigkeit in allen Fertigungsstufen seiner Produktion und die eigenen ehrgeizigen Unternehmensziele machen Continental zu einem sehr authentischen Partner. Darüber hinaus verfügt Continental über großartige Technologien. Ich bin sicher, dass wir die besten Reifen für unsere Autos bekommen werden. Es ist einfach perfekt. 


Continental: In anderen Rennserien spielen die Reifen beim Kampf ums Podium regelmäßig eine Schlüsselrolle. Wie wichtig sind die Reifen in der „Extreme E“?

Alejandro Agag: Reifen sind in jeder Meisterschaft sehr wichtig. Für Extreme E gilt das umso mehr, als wir auf unterschiedlichen Untergründen unterwegs sind, von Felsen und Sand über Gras bis hin zu Eis und Schnee. Diese Variabilität der Bedingungen stellt die Bereifung vor enorme Herausforderungen. Wir brauchen einen Reifen, der mit all diesen extremen Bedingungen zurechtkommt und der den Fahrerinnen und Fahrern die hundertprozentige Sicherheit gibt, dass sie die außergewöhnliche Performance der Fahrzeuge bis in den Grenzbereich nutzen können, weil er sie nie im Stich lässt. Ich bin sicher, dass Continental genau das liefern wird.

Continental: Ursprünglich sollten die Fahrzeuge im Sommer an die Teams übergeben werden. Der Startschuss für das erste Rennen war für Anfang kommenden Jahres geplant. Aber dann verbreitete sich Corona wie ein Buschfeuer über den gesamten Erdball. Wie hat die Pandemie Ihre Pläne verändert?

Alejandro Agag: Zum Glück halten sich die Auswirkungen für uns in Grenzen. COVID hat nur ein wenig Tempo aus Extreme E herausgenommen. Es gab ein paar Verzögerungen auf der Werft, auf der die RMS St. Helena hergerichtet wird, und in der Fabrik in Frankreich, in der unsere Autos gebaut werden. Deshalb müssen wir den Beginn der Serie geringfügig verschieben. Aber das Projekt läuft, und alle geben ihr Bestes. Dabei müssen wir natürlich umsichtig agieren.

Aber auch wenn COVID weltweit zu erheblichen Problemen geführt hat und für viele eine Tragödie darstellt, ist die Extreme E gegenüber der Pandemie wenig anfällig, schon weil die Rennen nicht vor Publikum ausgetragen werden. Wir starten in die Arktis und am Amazonas. Dort gefährden wir niemanden – und wir sind nicht gefährdet. . 

Continental: Über das Fahrerfeld ist bislang wenig bekannt, nur dass es zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen bestehen wird. Können Sie uns bitte etwas über die geplante Zusammensetzung der Teams sagen und vielleicht auch schon einige Fahrer verraten?

Alejandro Agag: Wir bemühen uns, die Teams vor Ort so klein wie möglich zu halten, schon um die Kosten der Rennserie zu minimieren. Außerdem müssen wir alles und jeden auf dem Schiff unterbringen. Zu den Teams gehören nur fünf Leute zuzüglich der beiden Piloten, jeweils ein Mann und eine Frau. Die anderen Fünf sind die Ingenieure und die Mechaniker, das muss reichen.  

Von Anfang an wurden viele große Namen mit Extreme E in Verbindung gebracht. Und tatsächlich haben wir Sébastien Ogier als Botschafter gewonnen und sprechen mit vielen guten Fahrern. Ich will noch nicht zu viel verraten, weil die Verhandlungen noch andauern und vertraulich sind, aber darunter sind in der Tat einige sehr bekannte Piloten, von denen ich hoffe, dass wir ihre Namen im Herbst bekannt geben können. 

Continental: Ungewöhnlich ist, dass man für die „Extreme-E“ keine einzige Eintrittskarte kaufen kann. Zuschauer an der Strecke sind in Ihrem Konzept nicht vorgesehen. Haben Sie keine Angst, dass dabei die von anderen Rennveranstaltungen bekannte Atmosphäre ausbleibt und sich das nachteilig auf die Akzeptanz in der weltweiten Motorsport-Fangemeinde auswirkt? 

Alejandro Agag: Extreme E ist einfach ein vollkommen neues Motorsportkonzept, bei dem Zuschauer an den Strecken aus Gründen der Nachhaltigkeit bewusst ausgeklammert werden. Wir wollen keine Menschenmassen in die Arktis, in den Regenwald und an den Amazonas locken. Vielleicht verfolgen einige wenige Leute aus der jeweiligen Gegend die Rennen zufällig aus der Ferne − mehr aber auch nicht.

Es gibt viele Sportveranstaltungen – nicht nur im Motorsport – die auf die Interaktion zwischen Sportlern und Publikum zugeschnitten sind, und wir müssen derzeit erleben, wie sie Corona-bedingt leider ohne die Fans ausgetragen werden müssen.  Dann leidet darunter natürlich die Atmosphäre. Bei Extreme E kann das nicht passieren, weil die Abwesenheit von Zuschauern zum Konzept gehört.. 

Alejandro Agag, CEO von Extreme E und Formula E.
© Extreme E

Continental: Wie können die Fans trotzdem die Rennen verfolgen?

Alejandro Agag: Die Rennen werden bei jeder der fünf Veranstaltungen am Samstag und am Sonntag live auf Online-Kanälen und im Fernsehen übertragen.

Unsere Partner dabei sind bis jetzt Eurosport (Europa und Nordamerika), FOX Sports (Vereinigte Staaten, Kanada und Karibik), BBC (Vereinigtes Königreich, auf Online-Kanälen), FOX Sports Asia (Südostasien), ZHIBO (China), FOX Sports Australia, Mediaset (Italien), Sony India (Indischer Subkontinent), TVNZ (Neuseeland), RTM (Malaysia), Dubai Sports (Mittlerer Osten), FOX Africa, RDS (Kanada), RTL7 (Niederlande und Luxemburg), ORF (Österreich) und BTRC (Belarus). Weitere werden folgen. Fans können aber auch in den sozialen Medien dabei sein.

Continental: Zuletzt war auch die Rede von so genannten virtuellen Hospitality-Paketen, die zu allen Rennen angeboten werden sollen. Was genau muss man sich darunter vorstellen?  

Alejandro Agag: Virtual Hospitality ist ein unglaublich spannender Aspekt, den unser Team ins Spiel gebracht hat. Um tolle Hospitality zu den Menschen nach Hause zu bringen, wollen wir Premium-Zugang zu unserem Sport ermöglichen, die Chance, hinter die Kulissen zu schauen. Wir wollen maßgeschneiderte Angebote speziell für unsere privilegierten Kunden. Wir werden ihnen das Gefühl vermitteln, näher am Geschehen zu sein als der normale Fernsehzuschauer. Wir können ihnen Fan-Artikel schicken oder Spitzenköche, die besondere Menüs für sie zubereiten. Und wir experimentieren mit den Möglichkeiten virtueller Realität. Vielleicht können VR-Brillen das Gefühl vermitteln, selbst in einem der Fahrzeuge zu sitzen. Das ganze Thema ist unglaublich spannend. 

Continental: Zum Abschluss noch einmal zurück zur gesellschaftlichen Bedeutung der „Extreme-E“-Rennserie: Sie waren selbst in der Politik aktiv und saßen unter anderem von 1999 bis 2002 als Abgeordneter im Europäischen Parlament. Glauben Sie, dass Sie über Ihr Motorsport-Engagement nun am Ende mehr für den Klimaschutz erreichen werden, als Sie das als Politiker jemals hätten tun können?

Alejandro Agag: Das ist eine wirklich interessante Frage. Vermutlich kann man in beiden Funktionen eine Menge tun. Politiker können viel bewirken, umso mehr, wenn sie in Schlüsselpositionen aufsteigen. Aber natürlich sind die Möglichkeiten auf Seiten der Wirtschaft vielfältig. Und diese Möglichkeiten müssen wir nutzen, wenn wir uns dem Klimawandel entgegenstemmen wollen. Zu dieser Welt gehöre ich jetzt und das ist gut so. Als Politiker hätte ich vielleicht das gleiche bewirken können – vielleicht sogar mehr. Das Wichtigste ist, dass alle für dasselbe Ziel arbeiten. 

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